Neue
Planungen - Eine Schmalspurbahn
Nach der Absage von 1876 mußte der Wunsch der Stadt Kandern
einen staatlichen Bahnanschluss zu erhalten, verworfen werden. Damit
wollte man sich jedoch nicht zufrieden geben. Bereits 1878 führten
neue Überlegungen dazu, eine Bahnstrecke auf eigene Kosten zu
bauen. Nachdem sich der Gemeinderat über die schmalspurige Liestal-Waldenburger-Eisenbahn
in der benachbarten Schweiz informiert hat, wollte man auch im Kandertal
eine derartige Schmalspurbahn bauen.

Probefahrt im Jahr 1880 mit der
neuen Lokomotive Nr. 2 in Waldenburg. Foto:
SLM
Im November 1882 sprach man den Wunsch nach einer Vicinalbahn (Nebenbahn)
Kandern durch das Kandertal bis zum Staatsbahnhof
Haltingen aus.
Bereits zu diesem Zeitpunkt waren jedoch folgende weitere Linienführungen
im Gespräch:
1. Kandern - Riedlingen - Holzen - Egringen - Efringen
2. Kandern - Hammerstein - Holzen - Efringen
3. Kandern - Riedlingen - Liel - Schliengen
Im weiteren Verlauf der Planungen und Verhandlungen wurden die Varianten
zwei und drei nicht weiter verfolgt. Jedoch machten sich auch die
Gemeinden im benachbarten Feuerbachtal für eine Feuerbachtalbahn
stark. Bis dahin war auch auch noch nicht entschieden, in welcher
Spurweite die Bahnlinie angelegt werden sollte. Folgende Verhandlungen
wurden in den Jahren 1882 bis 1889 geführt.
Streckenführung:
Kandern - Riedlingen - Holzen - Egringen - Efringen Feuerbachtalbahn
Kandern - Hammerstein - Wollbach - Wittlingen - Rümmingen - Binzen
-
Haltingen (alternativ nach Eimeldingen)
Kandertalbahn
Spurweite:
Schmalspur 750 mm bzw. 1.000 mm oder Normalspur 1.435 mm
Der Grund für die Planungen einer Schmalspurbahn, lagen in den
Kosten für die Strecke und das Rollmaterial. Auch sollte die
Trasse weitestgehend in die vorhanden Straße integriert werden.
Somit würde die Erstellung einer eigenen Trasse entfallen und
es konnten die Kosten für den Landerwerb gespart werden. Diese
Bauweise konnte auch für eine evtl. zu bauende Variante im Feuerbachtal
angewandt werden, da hier zu dieser Zeit gerade die bestehende Straße
erneuert wurde.
In einem ersten Bericht von Ingenieur Helbing im Jahre 1884 wurden
die Unterschiede der Spurweiten 75 bzw. 100 cm näher erläutert.
Er empfahl danach die Erstellung einer Schmalspurbahn mit 75 cm Spurweite
und einer Trasse, die überwiegend in die bestehende Landstraße
eingebaut wird. Die Begründung lag zum einen an den günstigeren
Kurvenradien und dem weitaus günstigerem Rollmaterial, welches
bei einer Spurweite von 75 cm verwendet werden konnte. Die Bauszeit
sollte nach Helbings Berechnungen längstens zwei Jahre dauern.
Die Streckenlänge war auf 13 km mit einem Höhenunterschied
von 98 Meter ausgelegt. Die Kosten wurden auf 380.000 Mark geschätzt.

Plan für eine Schmalspurbahn durch
das Kandertal.
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Uneinigkeit in Trassen- und Finanzierungsfragen verzögerten
die weiteren Planungen für die Bahnstrecke nach Kandern. Weitere
Untersuchungen, den Bahnkörper auf eine eigene Trasse zu bauen
fanden Gegner und Befürworter. Für eine extra Trassierung
sprachen mehrere Punkte.:
1. Der Verkehr würde auf der Landstraße von und nach Kandern
durch den
fahrenden
Zug nicht mehr gefährdet.
2. Die Kurven mussten sich nicht nach dem engen Radius der Landstraße
richten.
3. Könnten die Steigungen großzügiger angelegt werden.
Dagegen sprachen die zusätzlichen Kosten für den Landerwerb,
auf dem die Bahnlinie angelegt werden sollte. Hier gab es auch Proteste
seitens der Bauern, die Land verkaufen sollten.
Nachdem im November von den Gemeinden im Kandertal ein Eisenbahn Zentralkomitee
einberufen wurde, genehmigte der Bürgerausschuß der Stadt
Kandern im Dezember 1887 einen Betrag in Höhe von 20.000 Mark
für den Landerwerb und zum Bau einer Nebenbahn von Kandern nach
Haltingen. Dieser wurde kurz danach auf 30.000 Mark erhöht. Die
Mittel sollten ggf. auch für einen Streckenführung von Kandern
nach Efringen verwendet werden. Nachfolgend bewilligten nahezu alle
Gemeinden im Kandertal Zuschüsse für den Bau der Kandertalbahn
in einer Höhe von insgesamt 16.000 Mark. Lediglich die Gemeinde
Wittlingen wollte keinen Beitrag zur Finanzierung leisten.
In einer Petition vom 22. Januar 1888 stellte man den Antrag zum Bau
einer Schmalspurbahn von Haltingen nach Kandern mit unentgeltlicher
Benutzung des Bahnhofs in Haltingen sowie eine Gleisverbindung zur
Hauptbahn auf Staatskosten. Weiterhin forderte man einen Staatszuschuss
im gleichen Verhältnis zur Bahnlinie
Zell - Todtnau.

Eröffnungszug der Zell-Todtnauer
Eisenbahn am 06.07.1889 in Todtnau. Foto:
J. Faller
Gleichzeitig hatte man in der einschlägigen Fachpresse den Bau
einer Bahnlinie von Haltingen nach Kandern ausgeschrieben, auf die
sich u.a. auch die Firma Lokal- Bau- und Betriebs-Gesellschaft Hostmann
aus Hannover bewarb. Diese Firma stellte auch weitere Ausarbeitungen
der Pläne für die Bahnlinie in Aussicht, wenn sie später
den Zuschlag für den Bau der Bahn bekäme.
Die Zeit drängte. Um seitens der Regierung die Zustimmung für
den Bahnbau
zu erhalten waren weitere Gelder und ein Vertrag mit einer Firma,
die den Bahnbau ausführt, erforderlich. Daher wurden verschiedene
Industrie- und Gewerbetreibende aufgefordert den Bahnbau mit entsprechenden
Geldspenden zu unterstützen. Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage
blieb die erhoffte Unterstützung jedoch aus.
In Sachen Bauausführung empfahl Ingenieur Helbing die Firma Hostmann
aus Hannover. Diese war ihm durch seine bisherigen Projekte gut bekannt.
Auch hatte sich die Firma Hostmann bereiterklärt alle notwendigen
Unterlagen für die Regierung auf eigene Kosten zu erstellen.
Daraufhin schloss man eine vorvertragliche Vereinbarung zum Planung
der Bahnstrecke.
Bis zur endgültigen Erteilung der Konzession waren seitens der
Landesregierung weitere Punkte zu erledigen. Man forderte verbesserte
Pläne, eine genaue Vorstudie und vertraglich festgesetzter Unternehmer,
der den Bau ausführte. Eine Anfrage an die Firma Hostmann wurde
positiv beantwortet. Dies hatte auch die bewirkt, dass mit Datum vom
12. Oktober 1888 einen festen Vertrag über die Planung der Bahnstrecke
zu schließen. Somit hatte die Firma den Auftrag bis zum 01.
Mai 1889 alle notwendigen Pläne und Unterlagen anzufertigen.
Immer wieder wurde auch der Bau einer Schmalspurbahn in Frage gestellt.
Alle Güter hätten dann in Haltingen auf Normalspurwagen
umgeladen werden müssen, was wesentlich mehr Zeit in Anspruch
genommen und erhebliche Mehrkosten verursacht hätte.
Bis zum März 1889 war immer noch nicht entschieden, welche Spurweite
und welche Trasse die zukünftige Eisenbahn haben sollte. Jedoch
wurde von Ingenieur Helbing, der mittlerweile in Diensten der Firma
Hostmann stand, in der zum 01. Mai 1889 vorgelegten Studie die Projektierung
einer Normalspurbahn mit 1.435 cm als die beste Lösung angesehen
und auch künftig weiter verfolgt.
Über die künftige Streckenführung gab es immer noch
lebhafte Diskussionen. Es entbrannte ein regelrechter Kampf um die
Linienführung zwischen den Bewohnern im Kandertal und Feuerbachtal.
Mehr über die Verhandlungen der Streckenführung lesen Sie
unter "Eine
Alternative - Die Feuerbachtalbahn".
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